„Wenn du es schaffst, kein Urteil zu fällen, im Moment zu verweilen und dich in „Echtzeit“ zu beobachten, kannst du sämtliche erforderlichen Informationen gewinnen, um deine neue Verfassung zu rekalibrieren.“Wenn wir aus der Meditation zurückkehren und wieder „zu Sinnen“ kommen, dann ist das durchaus wörtlich zu nehmen. Erkennen wir keine unmittelbaren Ergebnisse im Außen, erleben wir wieder Mangel und Getrenntsein mit den dazugehörigen Emotionen. Und wir erliegen der Überzeugung, es hätte sich nichts manifestiert.“ – Dr Joe Dispenza


Veröffentlicht im September, 2021 

Ich war begeistert und fühlte mich geehrt angesichts der unglaublich vielen Reaktionen auf den vorherigen Blogbeitrag, „Mit offenen Augen meditieren“. Meine Gedanken trafen anscheinend genau zum richtigen Zeitpunkt stimmig auf das kollektive Bewusstsein unserer Gemeinschaft.

Wer bist du die meiste Zeit, während du im Wachzustand deinem Alltag nachgehst?

Wenn du bereit bist, möchte ich gerne noch tiefer in das Thema eintauchen und die einzelnen Schritte aufzeigen, anhand derer du deine Energie und damit auch dein Leben verändern kannst. Ich möchte dir genau die richtigen Werkzeuge an die Hand geben, um in einen Bewusstseinszustand zurückkehren zu können, in dem du „ganz vergessen hast, daran zu denken“, dass Gewahrsein etwas ist, was du beibehalten musst – nicht nur beim Meditieren, sondern auch im Wachzustand.
Die Konzepte, die die Grundlage meiner Arbeit bilden, sind nicht einfach nur „Gedankenfutter“, sondern sollen in die Praxis umgesetzt werden. Morgens eine Stunde lang zu meditieren ist wunderbar, aber wie sieht es mit dem restlichen Tag aus? Wer bist du die meiste Zeit, während du im Wachzustand deinem Alltag nachgehst?

Wir sind womöglich schon ganz gut darin, mit geschlossenen Augen zu meditieren; doch wir müssen das vor allem auch den Rest des Tages praktizieren und vollkommen bewusst werden – dann, wenn wir mit offenen Augen in die Welt hinausgehen. Um auch im Wachzustand praktizieren zu können, müssen wir unseren Geist darauf trainieren zu merken, wenn er das vergisst. Und wir müssen lernen, wie wir uns dann wieder zurückbringen können. Wenn du merkst, dass du nicht mehr bewusst bist, machst du bereits den ersten Schritt.

Aber lass dich nicht täuschen und denke, der Prozess ist nach dem vierten Schritt zu Ende! Es gibt kein Ende, denn diese Schritte sollten wirklich alle Meditierenden, ob nun Anfänger oder Fortgeschrittene, immer wieder praktizieren. Auch ich durchlaufe diesen Prozess manchmal sogar mehrere Male an einem einzigen Tag.


Schritt 1

Über den ersten Schritt spreche ich eigentlich dauernd, denn ohne diesen Schritt können wir nichts verändern. Er besteht darin, ein Gewahrsein dafür zu entwickeln, wer wir sind – unsere unbewussten, automatisch ablaufenden Gedanken, Verhaltensweisen und Gefühle sozusagen ins Rampenlicht zu holen. Wir müssen uns ihrer so bewusst werden, dass wirklich nichts mehr unbemerkt unserem Gewahrsein entwischen kann. Mache dir ein Spiel daraus, alles an dir zu bemerken – ganz ohne Kritik, Verurteilen oder Schuldzuweisungen. Identifiziere dich dabei nicht mit dem, was du da beobachtest, sondern stell dir vor, du seist einfach ein neugieriger Zuschauer. Wo, wann und wie hast du im Wachzustand dein Gewahrsein verloren? Wodurch bist du wieder deinem alten, unglücklichen Ich und all diesen selbstzerstörerischen Gedanken und Emotionen verfallen?

Wenn zu zuschaust, wie ein Schauspieler eine Rolle spielt, achtest du auf jede Geste, jeden Ausdruck und jede seiner Handlungen, damit dein Geist sich von der fiktiven Figur einen klaren Eindruck verschaffen kann. Und du achtest auch auf den Schauspieler, darauf, ob er seine Aufgabe, diese Rolle darzustellen, gut macht. Wie spricht er, wie bewegt er sich? Verkörpert er die Figur wirklich? Wie drückt er sich aus, scheint das, was er zum Ausdruck bringt, ehrlich und echt zu sein? Beobachte auch dich selbst auf diese Weise. Wenn du es schaffst, kein Urteil zu fällen, im Moment zu verweilen und dich in „Echtzeit“ zu beobachten, kannst du sämtliche erforderlichen Informationen gewinnen, um deine neue Verfassung zu rekalibrieren – das geschieht dann anschließend.


Schritt 2

Sobald du dein Gewahrsein zurückgewonnen und herausgefunden hast, welche Aspekte deiner selbst dir nicht mehr förderlich sind, musst du aufhören, diese Person zu sein, die du nicht mehr verkörpern möchtest. Du musst dich aus den alten unterbewussten Programmierungen ausklinken, die die Kontrolle über dein Leben übernommen haben, und lange genug damit aufhören, sozusagen auf die Bremse treten, um in den gegenwärtigen Moment zu gelangen. Wenn du langsamer wirst und nicht mehr im Überlebensmodus bist, sendest du ein Signal an dein autonomes Nervensystem mit der Botschaft, dass du gefahrlos kreieren, neue Informationen aufnehmen und verarbeiten und dich entspannen kannst. Entspanne deinen Körper und bleibe dabei wach und bewusst.

Dieses Innehalten und Aufhören ist entscheidend, um aus der vertrauten Vergangenheit und der vorprogrammierten, vorhersehbaren Zukunft (dem Bekannten) heraus- und in den gegenwärtigen Moment (das Unbekannte) zu wechseln.

In den gegenwärtigen Moment zu gelangen, erfordert sehr viel Energie und Gewahrsein; dein Geist muss dazu größer sein als der Körper – der darauf konditioniert worden ist, der Geist zu sein – und deine Willenskraft muss größer sein als die automatisch ablaufende, gewohnte Programmierung der Zukunft.
Den Schritt vom Bekannten zum Unbekannten zu tun ist unangenehm. Das kann sich manchmal in physischen Schmerzen manifestieren oder auch in psychischem Stress, Angst, Übelkeit oder einer ausgewachsenen Panikattacke. Aber ich versichere dir: Ein solches Unbehagen ist eine ganz natürliche Reaktion und du machst alles richtig. Ohne eine solche Reaktion wärst du ja nach wie vor in einer vertrauten, dir gut bekannten chemischen Verfassung, und das würde sich nicht unangenehm anfühlen. Es geht letztendlich darum, von diesem Unbehagen in eine neue Verfassung der Befreiung und Ganzheit zu wechseln.


Schritt 3

Im dritten Schritt veränderst du deine Energie und deinen Seinszustand bzw. deine Verfassung. Sobald du aktive Schritte unternimmst, die auf deine Intention ausgerichtet sind, solltest du Veränderungen bemerken, und zwar sowohl auf der körperlichen Ebene als auch in deinem Leben.

Du rückst immer näher an deine Zukunft heran, die sich immer im gegenwärtigen Moment zeigt; lass dabei die Energie, zu der du Zugang gewonnen hast, immer mehr von den Emotionen erzeugen, die mit dem „Ich“, zu dem du wirst, zu tun haben. Diese höhere Energie, zusammen mit deiner Absicht, ist genau, was du brauchst, um deine Verfassung zu verändern.


Schritt 4

Du hast also jetzt auf die Reset-Taste gedrückt, deine Energie und deine Verfassung neu eingestellt; jetzt geht es darum, bei vollem Bewusstsein in dein Leben zurückzukehren. Ich möchte noch einmal betonen, dass das keineswegs die „Endstation“ ist – diese vier Schritte verlaufen im Kreis und nicht linear. Mit ein bisschen Glück wirst du durch vielmaliges Wiederholen schließlich immer schneller in eine bewusste Verfassung zurückkehren.

Das Ziel dieses Prozesses besteht darin, dass der Körper schließlich einen Durchbruch hat und sich befreit. Und all denjenigen, die geduldig auf diesen Durchbruch warten, möchte ich sagen: Habt Mut! Ohne dass der Körper zunächst Widerstand leistet und versucht, sich an allem Bekannten festzuklammern, kann dieser Durchbruch nicht stattfinden. Wenn du schließlich kurz davor bist, dich zu verändern, wird der Körper zwangsläufig eine letzte verzweifelte Anstrengung unternehmen, diesen Wandel zu verhindern. Du versuchst, den Körper in unbekanntes Terrain zu führen und ihn zu einem neuen Geist zu überreden, und der Körper mag Veränderungen nun einmal überhaupt nicht.  

Anders ausgedrückt heißt das: Wenn du nicht gegen den Widerstand des Körpers gegen Veränderungen ankämpfst, dann veränderst du dich wahrscheinlich auch nicht. Und all denjenigen, die dagegen ankämpfen, möchte ich sagen: Herzlichen Glückwunsch und willkommen im Club! Ihr macht alles richtig. Weiter so! Steht jedes Mal, wenn ihr zu Boden geht, wieder auf. Irgendwann erinnert ihr euch nicht mehr daran, wie oft ihr zu Boden gegangen seid, denn am Ende kommt ihr am Ziel an.

Bist du an weiteren Anleitungen interessiert? Ich arbeite gerade an einer Reihe von kurzen Meditationen mit dem Titel „Generating Change”, die dich durch die praxisorientierten Werkzeuge dieses Prozesses führt. Bleib dran!